Drechseln lernen – die Anleitung

Nachdem wir uns im traditionellen Holzhandwerk das Hobeln angesehen haben, ist heute das Drechseln dran. Das Drechseln (auch Drehen genannt) ist für den Handwerker nur ein zerspanendes Fertigungsverfahren, überwiegend bei Holz angewendet. Für Kinder ist es reine Magie, wenn nach kurzer Zeit ein perfekt geformter Kreisel entsteht. Doch bevor wir uns die einzelnen Formen und Möglichkeiten ansehen, gehen wir in unserer Anleitung erstmal auf die Grundlagen ein. Natürlich zeigen wir auch jede Menge Drechseln-Videos auf deutsch und wie immer kostenlos.

Drechseln

Welche Materialien kann man Drechseln?

Man denkt natürlich sofort an Holz, aber das ist nicht die ganze Wahrheit. Beim Drechseln kann man folgende Materialien verarbeiten:

  • Holz
  • Alabaster
  • Kunststoff und Plexiglas
  • Bernstein
  • Horn
  • Elfenbein
  • Speckstein
  • Serpentinite

Wie man sieh, kann man deutlich mehr als nur Holz drehen.

Werkzeug zum Drechseln

Natürlich kann man nichts drehen, wenn man nicht das passende Werkzeug hat. Es muss gerade beim Anfänger nicht immer die teuerste Drehbank sein. Theoretisch kann man sich auch eine selber bauen, doch dazu später mehr.

Die Drehbank besteht aus mehreren Teilen, in deren Mitte das Werkstück bearbeitet wird. Sinn und Zweck der Bank ist es, dass eine Rotation entsteht. Mit dieser Bewegung formt man dann das zu bearbeitende Material. Damit der Werkstoff auch dort hält, gibt es auf der linken Seite einen Spindelstock und auf der rechten Seite einen Reitstock. Zwischen diese beiden Elemente spannen wir das Werkstück. Spindelstock und Reitstock stehen auf dem Maschinenbett, wobei es sich um bündige Wagen aus Gusseisen handelt. Damit einem die Hand beim Drehen nicht verrutscht oder sie ermüdet, gibt es eine Handauflage.

Sehen wir uns an, was wir neben einer Drehbank noch alles zum Drechseln benötigen:

  • Flachmeißel
  • Abstechstahl
  • Röhre
  • Schlichtstahl
  • Ausdrehstahl

Die Flachmeißel und Abstechstähle gibt es in großer Formenvielfalt mit einseitig und zweiseitig geschliffener Fläche. Dadurch kann man das Werkstück Ablängen. Die Schlichtstähle und Ausdrehstähle haben einen ausgesprochen steilen Schliff. Mit den halbrunden Röhren-Werkzeugen hat man einen flachen Außenschliff.

Wer es fortschrittlicher als mit einer Drehbank haben möchte und das Drehen automatisieren will, der wählt einen Drehautomat.

Sorgfältig arbeiten mit geschliffenem Werkzeug

Man erhält nur ein sauberes Ergebnis beim Drechseln, wenn die Werkzeuge auch geschliffen sind. Wer regelmäßig sein Werkzeug nutzt, der wird feststellen, dass dieses mit der Zeit stumpf wird. Damit wir saubere Drechslerarbeit leisten, brauchen wir Werkzeug, welches richtig angeschliffen ist. Ein falscher Schliff genügt und das Werkzeug ist stumpfer als es vorher war. Zum Schleifen nutzen wir den Nass-Schliff, so wird der Stahl nicht durch die Hitze beschädigt. Aber nicht nur auf das richtige Verfahren kommt es an, sondern vor allem auf den passenden Winkel.


Drechseln Langholzdrehen

Beim Langholzdrehen dreht sich das Werkstück längs der Faserrichtung. In der Regel wird das Holz an beiden Seiten mit der Spitze eingespannt. Bei speziellen Anwendungen kann es auch sein, dass das Langholz nur einseitig am Spindelstock fixiert wird.

Drechseln Langholzdrehen

Beim Langholzdrehen kann man so ziemlich jedes lange Objekt anfertigen, wie beispielsweise:

  • Holzsäulen
  • Treppenstäbe
  • Holzpfosten
  • Zierelemente
  • Büchsen
  • Schreibgeräte
  • Knöpfe

Im Grunde also jedes Holzobjekt, welches auf die Drechselbank passt und durch Rotation bearbeitet werden soll.

Querholzdrehen

Im Gegensatz zum Langholzdrehen wird bei diesem Verfahren das Werkstück nur einseitig im Spindelstock festgemacht. Wichtig ist, dass das zu bearbeitende Material zuvor ausgesägt wurde. Sobald die Rotation beginnt, wird das Objekt quer der Faserrichtung gedreht. Damit das Dreheisen sauber mit der Hand gegen das Werkstück geführt werden kann, wird auch bei dieser Methode wieder die Handauflage genutzt. Dadurch erhält man ein gezieltes Schneiden des Materials.

Querholzdrehen

Auch mit dem Querholzdrehen lässt sich wieder einiges an schönen Holzprojekten verwirklichen:

  • Schalen
  • Teller
  • Handlaufschnecken
  • Ringe
  • Dosen
  • Zierobjekte für Treppen

Besonders schöne Schalen erhält man, wenn man am Rand ein wenig Rinde stehen lässt. Wie im Video zu sehen ist, ergibt das einen besonders schönen und natürlichen Ziereffekt.

Reifendrehen

Das Reifendrehen ist schon anspruchsvoller. Hierbei nutzt man meistens Nadelhölzer, welche vollständig mit Feuchtigkeit durchtränkt sind. In der Regel wird es genutzt, um Spielzeug aus Holz oder Dekoartikel herzustellen. Dabei kann man der Fantasie freien Lauf lassen und Holzfiguren, Kinderspielzeug oder kleine Holztiere drechseln.

Wie beim Querholzdrehen wird das Holz einseitig im Spindelstock fixiert und längs zur Faserrichtung gedreht. Durch Hilfe der Handauflage kann man wieder einen gezielten Schneidvorgang erreichen. Als Werkzeug werden lange Dreheisen genutzt, womit man Ringe mit feiner Kontur drehen kann. Sobald man sie aufspaltet, wird die Form deutlich.

Gewundene Säulen drehen

Das Drechseln gewundener Säulen überschneidet sich mit dem Langholzdrehen. Hier wird im ersten Schritt wie beim Langholzdrehen ein längliches und ebenes Stück Holz geschaffen, an dem nun die Windungen markiert werden. Diese kann man dann leicht mit der Handsäge einschneiden. Hierbei ist es wichtig, die richtige Tiefe zu wählen. Die grobe Kontur der späteren Form kann man nun mit einem Stecheisen vorstemmen. Damit am Ende ein filigranes Qualitätsprodukt entsteht, wird die Form mittels Raspeln und Schleifen immer weiter verfeinert.

Die Erstellung einer gewundenen Säule überschneidet sich mit anderen Holzhandwerks-Bereichen, aber gehört trotz der Arbeiten wie Stemmen, Schneiden, Raspeln und Schleifen zum Drechsler-Handwerk. Diese Säulen aus Holz kann man vielfältig verwenden:

  • Stuhlbein
  • Treppensprossen
  • Tischbeine
  • Bettpfosten
  • Schrankaufbauten

Passigdrehen

Beim Passigdrehen gibt es drei verschiedene Varianten, die man anwenden kann:

  • Längsdrehen
  • Querdrehen
  • Längs- und Querdrehen (Mischform)

Auch das Passigdrehen wird nicht oft angewendet, da man hierfür eine andere Form der Drehbank braucht. Dabei wird die Spindel in Längsrichtung durch Zwangssteuerung vorwärts und zurück bewegt. Das Werkzeug hat eine feste Position, wobei es schabt und schneidet. Das Querpassigdrehen kann erreicht werden durch eine Querpendelbewegung vom Spindelstock oder nur der Spindel. Damit das Ergebnis wie geplant umgesetzt werden kann, kommen Schablonen und Kurvenscheiben zum Einsatz. So kann das Maß der Ablenkung festgelegt werden.

Das zu drehende Holz muss homogen, also aus einem Stück und sehr fest sein. Das Werkstück wird im Support geführt und hat nichts mit Handdrehen zu tun. Eine freie Werkzeugführung kann nur bei leichten Passigarbeiten genutzt werden. Folgenden Produkte kann man durch Passigdrehen herstellen:

  • Dosen
  • Tischbeine
  • Stuhlbeine
  • Treppensprossen

Ovaldrehen

Das Ovaldrehen beherrschen nur die wenigsten Drechsler und man findet diese Drechslerarbeit nur selten. Um das Ovaldrehen zu realisieren, braucht man ein Ovaldrehwerk. Hieran wird das Werkstück fixiert und dann am Spindelstock befestigt. Durch das Ovalwerk ensteht eine Querpendelbewegung, dabei kann man die Achsdifferenz einstellen. Damit die Form hinterher auch wirklich ein sauberes Oval ergibt, darf das Werkzeug beim Drechseln ausschließlich in gleichbleibender Höhe zur Drehachse schneiden. Denkbare Gestaltungsmöglichkeiten sind:

  • Teller
  • Schalen
  • Dosen
  • Bilderrahmen
  • Umrandungen

Gewindestrählen

Gewindestrählen wird auch als Gewindestrehlen bezeichnet und ist eine der schwierigsten Aufgaben, da man hier viel Erfahrung und Geschick benötigt. Vom Berufskreis des Drechslers wird das Verfahren kaum genutzt, aber immer noch im Unterricht gelehrt. Man kann damit Innen- und Außengewinde erstellen. Dazu nutzt man sogenannte Schraubstählen (Innen- oder Außensträhler). Damit ein sauberes Gewinde entsteht, sollte man darauf achten, dass die Drehbank besonders langsam läuft.

Damit das Werkstück nicht kaputt geht, wird mit wenig Druck das Werkzeug am rotierenden Werkstück angesetzt. Dabei wird pro Umdrehung ein Gewindegang erstellt. Ist der richtige Vorschub gefunden, wiederholt man den Prozess, bis die Gewindetiefe in gewünschter Länge hergestellt ist.

#Es eignet sich auch nicht jedes Holz für dieses Drechseln. Homogen gewachsene Hölzer mit sehr hoher Dichte wie beispielsweise Birnenbaum, Buchsbaum, Weißbuche, Pflaumenbaum und Apfelbaum sind besonders beliebt, aber auch weitere Holzarten sind geeignet. Wer kein Holz wählen möchte, der kann auch mit Knochen oder Horn arbeiten. Wem die Prozedur zu anstrengend oder langwierig erscheint, der kann normale Schneidwerkzeuge zum Herstellen von Gewindegängen verwenden. Dazu braucht man dann auch keine Drechslerbank.

Folgende Objekte lassen sich durch das Gewindestrählen vollenden:

  • Pfeifen
  • Verschlüsse und Gefäße
  • Drehbankfutter

Drechseln Ideen

Da man auch beim Drechseln neue Ideen immer gut gebrauchen kann, haben wir hier unsere Lieblings-Liste an Drechslerarbeiten zusammengefasst.

  • Kreisel
  • Schraubenzieher
  • Kugeln
  • Armreifen
  • Nussknacker
  • Dreibein-Gefässe
  • Vierkantschalen
  • Pinard-Rohr
  • Osterhasen
  • Möbelknöpfe
  • Pfeffermühle
  • Vasen
  • Holzente
  • dünnwandige Lichtschalen
  • Dosen
  • Ziersprossen
  • Füllfederhalter

Wer mehr Drechsel-Ideen sucht, findet diese unter diesem Link. Und natürlich gibt es auf YouTube Unmengen Anleitungen.

Fazit zum Drechseln

Drechseln ist ein schönes und traditionsreiches Holzhandwerk. Mit einer relativ günstigen Drechselbank kann auch der Anfänger schnell das Drechseln erlernen und eigene formschöne Produkte und Projekte umsetzen. Damit die Arbeit auch gelingt, ist es wichtig, dass das Werkzeug immer scharf ist und der Arbeitsplatz gepflegt wird. Eine gepflegte Drechselbank kann viele Jahre alt werden und erfreut einen so deutlich länger. Übrigens kann man sich eine Drechselbank auch selber bauen:

Das zweite Video ist nochmal deutlich schöner, aber leider auf Englisch. Aber ich denke, durch die gute Videoführung ist trotzdem ersichtlich, wie man eine kleine Drechslerbank selber bauen kann. Natürlich sind solche kleinen Hobbybänke nichts für Profis, sondern eher ein Hobbystück zum Üben.

Wenn euch unsere Anleitung gefallen hat, dann freuen wir uns über einen Kommentar oder eine 5-Sterne Bewertung. Viel Spaß beim Drechseln!

Drechseln lernen – die Anleitung
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