Nicht nur, wer einen Oldtimer oder ein Motorrad besitzt, kennt das Problem von festsitzenden Schrauben, die sich mit aller Macht dagegen wehren, ihren Platz zu verlassen. Festsitzende Schrauben lösen sich nicht durch Gewalt, womöglich sogar noch mit dem falschen Werkzeug. Im Gegenteil: ihr provoziert damit, dass die rundgeleierte oder verrostete Schraube auch noch ihren Kopf verliert und die ganze Aktion nur noch schwieriger wird. Damit ihr nicht verzweifelt, haben wir euch einige Tipps zusammengestellt, wie ihr festsitzende Schrauben lösen könnt und euer Projekt nicht scheitert.

Die Methoden im Überblick

Grundsätzlich muss man nicht gleich zu den brachialen Methoden greifen, um rostige und festsitzende Schrauben zu lösen. Oft helfen schon kleine Tricks wie eine gute Schmierung, ein anderes Werkzeug wie den Schraubenausdreher oder Hitze. Welche Methode ihr anwendet, hängt davon ab, warum genau eure Schraube nicht locker ist und auch nicht vorhat, locker zu werden. Ist sie rostig, rundgeleiert, abgebrochen oder einfach nur total ausgefranst? Wenn alle Mittel versagen, hilft dann aber doch nur noch das Ausbohren bzw. der Griff zum Schraubenausdreher, welchen wir euch am Ende auch noch erklären.

Achtung Linksgewinde!

Ehe es richtig losgeht, wollen wir noch auf Nummer sicher gehen und euch daran erinnern, dass es sein kann, dass ihr die ganze Zeit in die falsche Richtung dreht. So manche Schrauben und auch Muttern sind mit einem Linksgewiude versehen. Das ist oftmals bei Lichtmaschinen der Fall, aber auch Kupplungskörbe und Antriebswellen arbeiten oft andersherum als ihr es gewohnt seid. Versichert euch, dass ihr in die richtige Richtung gedreht habt. Vielleicht ist euer Problem ja so schon gelöst.

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Festsitzende Schrauben lösen mit Kriechöl

Gerade festgerostete Schrauben kann man sehr gut mit einer ordentlichen Schmierung lösen. Dafür eignet sich Kriechöl am besten, denn es dringt tief genug auch in die kleinsten Ritzen ein. Wir empfehlen euch hier das gute alte WD-40. Praktisch in der Sprühdose erhältlich, kriecht das Schmiermittel in die Schraubverbindung und löst bei manchen Mitteln auch noch zusätzlich chemisch den Rost. Die Reibung wird vermindert und die Schraube löst sich lösen. Habt ein wenig Geduld und lasst das Kriechöl ein paar Stunden einwirken. Manchmal muss das Einsprühen wiederholt werden.

Cola statt Kriechöl

Habt ihr gerade kein WD-40 zur Hand, was uns doch bei Hand- und Heimwerkern ein wenig zu denken gibt, dann hilft auch Cola beim Lösen der Schrauben. Die Cola enthält Phosphorsäure, die Rost lösen kann. Wir haben dieses Prinzip auch schon in unserem Beitrag Rost lösen – Methoden und Tipps näher beschrieben. Ihr müsst sie nur auf die Schraube träufeln und sie fängt an zu wirken. Das funktioniert besonders gut bei nur leicht angerosteten Schrauben und muss eventuell auch mehrmals wiederholt werden.

Schrauben lösen mit Hitze und Kälte

Ihr habt nicht soviel Geduld und Zeit, um auf das langsame Kriechöl zu warten? Dann könnt ihr auch mit Hitze oder Kälte festsitzende Schrauben lösen. Beim Vereisen von festsitzenden Schrauben schrumpfen Rost und Eisen unterschiedlich stark. Das führt dazu, dass der Kälteschock die Oxidschicht vom Metall löst und ihr die Schraube so wieder locker gedreht bekommt. Diese Methode, kann, muss aber nicht funktionieren.

Beim Vorgehen mit Hitze macht ihr euch dasselbe Prinzip zunutze, nur andersherum. Auch hier dreht sich alles um das Prinzip, dass sich Rost und Metall unterschiedlich stark ausdehnen, wenn sie erwärmt werden. So kann die Schraube wieder entfernt, sollte dann aber nie wieder verwendet werden. Das Material wird durch das Erhitzen, mit einem Heißluftgebläse oder Bunsenbrenner, nämlich stark geschädigt, wird brüchig und porös.

Könnt ihr die rostige Schraube nach dem Erhitzen nicht lösen, dann lasst sie abkühlen, bis es zwar noch warm, aber nicht mehr heiß ist, und verwendet das Kriechöl. Es kann dann noch besser eindringen, weil das noch warme Metall zusätzliche Kapillaren für das Öl schafft und wenn es dann abkühlt, das Öl richtiggehend eingesaugt wird.

Der Trick mit dem Gummi

Es klingt vielleicht im ersten Moment ein wenig komisch, aber ein Gummi kann schon helfen. Ihr braucht ihn, damit der Schraubendreher im Schraubenkopf besser greifen kann. Ihr braucht dafür einen recht breiten Gummi, solch einen, den man an beispielsweise an Einmachgläsern findet. Diesen legt ihr über den Antrieb der Schraube (den Schraubenkopf), sodass dieser voll bedeckt ist. Durch den Gummi wird die Haftung erhöht und der Schraubendreher greift besser. Gerade bei ausgefransten Antrieben ist dieser Trick zielführend und ihr könnt die festsitzende Schraube lösen.

Schraubenausdreher

Schrauben lösen mit dem Schraubenausdreher

Besonders hartnäckig festsitzende Schrauben könnt ihr mit einem Schraubenausdreher, auch Linksausdreher oder einfach Schweineschwanz genannt, entfernen. Allerdings ist diese Methode auch etwas aufwendiger und ihr benötigt noch zusätzliches Werkzeug dafür. Wenn aber die Schraube zum Beispiel abgebrochen ist und ihr sie nicht ausbohren oder das gesamte Teil, welches an der Schraube oder andersherum hängt, wegwerfen wollt, dann gibt es meist nur diesen Weg.

Ihr benötigt neben dem Schraubenausdreher noch eine Flachfeile, einen Hammer, einen Körner, eine Bohrmaschine und einen Metallbohrer und Schneidöl bzw Kriechöl. Als Erstes schleift ihr den Stumpf der abgebrochenen Schraube glatt ab. Dann schlagt ihr mit Hammer und Körner eine Vertiefung in das Metall. Nun bohrt ihr mit einem wirklich scharfen Metallbohrer die mit dem Körner markierte Stelle auf. Das Schneidöl bzw. Kriechöl dient in diesem Fall der Kühlung, sollte es notwendig sein. Der Bohrer sollte ungefähr die Hälfte des Durchmessers der Schraube haben.

Habt ihr die Schraube soweit vorbeireitet, greift ihr zum Schraubenausdreher und setzt ihn in das Loch. Dreht nun linksherum, und zwar solange, bis die Schraube sich anfängt zu lösen. Dreht nicht in einem Ruck durch, sondern immer eine viertel Drehung nach der nächsten. So riskiert ihr nicht, dass auch noch der Linksausdreher abreißt.

Nut in den Schraubenkopf schlagen

Habt ihr einen Winkelschleifer zur Hand, könnt ihr auch eine kleine Nut in den Schraubenkopf schneiden. So schafft ihr vor allem bei rundgeleierten Schrauben wieder einen Antrieb, in den der Schraubendreher greifen kann. Ihr müsst dabei aber behutsam vorgehen und wirklich nur eine feine Nut hineinschleifen, da sonst der Kopf komplett auseinandergedrückt werden kann oder ihr die Schraube komplett zerstört. Das funktioniert natürlich bei Senkkopfschrauben nicht.

Vorbeugung von festsitzenden Schrauben

Natürlich könnt ihr gegen Rost zunächst erst einmal nichts tun. Aber es hilft schon, vor allem im Außenbereich und in Feuchträumen, auf Schrauben und Muttern sowie allem anderen Befestigungsmaterial auf korrosionsbeständige Materialien wie Edelstahl zu achten. Fernab davon lohnt es sich, schon beim Festziehen sorgsam zu arbeiten und immer das richtige Werkzeug und die passenden Bits zu verwenden. Kontrolliert auch regelmäßig eure Schraubverbindungen, dann seht ihr rechtzeitig, ob zum Beispiel Rost angreift und ihr könnt sie noch rechtzeitig auswechseln.

Jetzt wisst ihr über die besten Methoden zum Lösen von festsitzenden Schrauben Bescheid und könnt euch ans Werk machen. Natürlich gibt es noch weitere Tricks, die aber meist in Gewalt ausarten, bei denen beispielsweise die Schraube mit einem Hammer bearbeitet oder ein Hebel wie ein Rohr angesetzt wird. Diese werden euch im Zweifelsfall aber nicht weiterhelfen, sondern euer Problem noch verschlimmern. Also probiert erst einmal unsere Methoden aus. Solltet ihr in eurem Heim- und Handwerkeralltag noch eine andere coole Methode entdeckt, ausprobiert und für gut befunden haben, dann stellt sie uns doch in einem Kommentar vor. Wir freuen uns immer über weitere Anregungen und Tipps.

 

Festsitzende Schrauben lösen
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